Mausarm/RSI: ein operativer Schnitt löst das Problem leider nicht
Einen interessanten, aber auch einseitigen Artikel zum Karpaltunnelsyndrom konnte man unter dem Titel Kribbeln in den Fingern in der NZZ am Sonntag vom 10.04.2011 lesen. (Quelle und Link siehe unten)
Siehe auch meine Antwort im Leserbrief in der NZZ am Sonntag vom 24.04.2011.
Eine OP wird - fälschlicherweise - meist als einziger Ausweg gesehen

Bei der Arbeit mit Tastatur und Maus treten bei vielen Menschen Kribbeln in den Fingern und Schmerzen in Handgelenk und Unterarm auf.
Dabei spricht man häufig von Mausarm oder Sehnenscheidenentzündung.
Der englische Begriff RSI (Repetitive Strain Injury) ist schon präziser und wird auch im Deutschen gebraucht.
In diesem Artikel wird klar gemacht, dass man mit kribbelndem Fingern nur selten am Messer vorbeikommt. Das Messer durchtrennt in einer offenen oder minimalinvasiv Operation das Karpalband. So will man mehr Platz für den Mittelhandnerv schaffen.
RSI löst man nicht mit einer Operation
Es geht vergessen, dass die gleichen Symptome auch auf Repetitive Strain Injury (RSI) zutreffen und dies nicht mit einer Operation gelöst werden kann.
Noch treffender wäre Repetitive Movement Injury, das heisst es handelt sich um eine Verletzung durch übermässige, repetitive Bewegungsbeanspruchung.
Unter anderem schreibt Suparna Damany in ihrem Buch It's Not Carpal Tunnel Syndrome!, dass die Diagnose 'Karpaltunnelsyndrom' in vielen Fällen nur eine Teildiagnose ist.
Der Karpaltunnel ist oft eher ein Symptom als der Auslöser

Schmerz und Schäden entstehen durch wiederholte Bewegungen, die zudem unbewusst schlecht ausgeführt werden. Diese Bewegungsmuster werden mit der Operation nicht verändert.
Nicht selten treten trotz zerschnittenem Karpalband wieder Schmerzen auf
Ein Anzeichen, dass es doch kein Platzproblem ist.
Vorgehen mit F.M. Alexander-Technik gegen RSI (Repetitive Strain Injury):
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verstehen, was für ein Bewegungsmuster ungünstig ist
lernen, wie man die schlechte Bewegungsgewohnheit verändert
sich die Fähigkeit aneignen, wie man das Erkannte und Gelernte im Alltag umsetzt
F.M. Alexander bezeichnete diesen Vorgang als "den eigenen Körpergebrauch verbessern". Er sprach sogar von "Selbstgebrauch", weil man die mentale Komponente nicht aussen vor lassen kann.
Ziel der Alexander-Technik bei RSI
Man lernt wie man sich besser bewegt, schult die Aufmerksamkeit und das Körperbewusstsein und verbessert die Gesamtkoordination. So können Betroffene selbst mehr Verantwortung für die eigenen Bewegungen übernehmen. Der Körper kann sich regenerieren und Schmerzsignale reduzieren sich.
Alexander-Technik Literatur zum Thema RSI
Ein gutes Einsteigerbuch zum Thema Repetitive Strain Injury, Mausarm, Tennisellbogen, et. al. ist das Buch von Bruce and Sherry Berjeron-Oliver: Working Without Pain: Eliminate Repetitive Strain Injuries With Alexander Technique.
Leider ist es nur schwierig verfügbar. Die beste Quelle ist Peter Brunner in Deutschland (über den Link).
Unterstützende Massnahmen
Bessere Durchblutung durch mehr Sport und gewisse Stretchingübungen, unterstützen das F.M. Alexander-Bewegungslernen. Empfehlenswerte Sportarten sind normalerweise Spazieren, Joggen, z.T. Velofahren, Tanzen (wobei es darauf ankommt, ob man alleine tanzt oder mit einem Partner).
Manchmal ist Triggerpoint Therapie angezeigt, wobei diese überlastete Muskeln relativ gut lindern kann. Die nachhaltige Veränderung der Bewegungsmuster ermöglicht die Alexander-Technik.
Was man bei RSI vermeiden sollte
Man muss allerdings darauf achten sowohl Krafttraining als auch arm-/handintensive Aktivitäten wie z.B. Squash zu vermeiden. Nordic Walking gehört meist auch dazu, wegen des Haltens der Stöcke. In vielen Fällen wird auch von Schwimmen abgeraten, wobei Daniel Harbach damit schon gute Erfahrungen gemacht hat. Wichtig ist, dass man dabei auf den Körper hört und in kleinen Dosen beginnt. Natürlich empfiehlt es sich die Alexander-Technik auch beim Schwimmen anzuwenden.
Richtige Pausen bei der Computerarbeit
In Bezug auf Computerarbeit müssen genügend kleine und grössere Pausen eingebaut werden. Dabei soll nicht nur die Bewegung aufhören, sondern auch die Spannung reduziert werden. Das Ziel ist beim Wiederaufnehmen der Arbeit "den Schalter mit der Spannung nicht anzuschalten".
Fragen/Anmerkungen
Fragen und Anmerkungen sind willkommen, sei es über das Kommentarfeld oder über das Kontaktformular.
Mit Alexander-Technik gegen RSI
Bei akuten Symptomen muss man sehr vorsichtig vorgehen. Am besten rufen Sie an, dann besprechen wir Ihre individuelle Situation und Sie müssen Sie kein E-mail schreiben, was aber natürlich auch möglich ist.
Quellenangaben
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Kribbeln in den Fingern, Mensch & Medizin, NZZ am Sonntag vom 10.04.2011 (im Web nicht verfügbar - im Gegensatz zum Artikel vom 06.10.2010 der NZZ, siehe unten, wird nun die Minimalinvasive Operation als gleich gut bezeichnet)
Karpaltunnelsyndrom, Wissenschaft, NZZ Online, 06.10.2010
Suparna Damany, It's Not Carpal Tunnel Syndrome!, RSI Theory and Therapy for Computer Professionals, Philadelphia PA USA, 2002
Sherry Berjeron-Oliver und Bruce Oliver, Working Without Pain: Eliminate Repetitive Strain Injuries With Alexander Technique, Chico CA USA, 1997
Weitere Bücher zum Thema (nicht zitiert)
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Emil F. Pascarelli, Dr. Pascarelli's Complete Guide to Repetitive Strain Injury, What You Need to Know about RSI and Carpal Tunnel Syndrome, Hoboken NJ USA, 2004

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